Article in Neue Zuercher Zeitung

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A report about Ærø and us in a Swiss  heavyweight, Neue Zuercher Zeitung. The headline says “As unbureaucratic as Las Vegas, only much more romantic; the Danish island of Ærø is an internationally renowned wedding capital”.

Dänische Hochzeitsinsel Aerö
Wo im Zehnminutentakt Ja gesagt wird

von Rudolf Hermann

So unbürokratisch wie in Las Vegas, nur viel romantischer: Die dänische Fünen-Insel Aerö ist eine international begehrte Hochzeits-Kapitale.

An fast jeder Strassenecke trifft man sie auf Aerö an: Frischvermählte, wie hier ein Paar, das sich vor der Familie versteckt, um sie zu überraschen. (Bild: Alexander Wolfe / Redux / Laif)

An fast jeder Strassenecke trifft man sie auf Aerö an: Frischvermählte, wie hier ein Paar, das sich vor der Familie versteckt, um sie zu überraschen. (Bild: Alexander Wolfe / Redux / Laif)

Genau so hat man sich ein romantisches Liebesnest schon immer vorgestellt: auf einer Insel, nicht anders zu erreichen als mit dem Schiff. Ein Zimmer in einem dieser Fachwerkhäuschen mit leicht schiefen Wänden, kleinen Fensterchen und Blumenschmuck, wie sie entlang der Gasse mit ihrem holprigen Kopfsteinpflaster stehen. Aufgereiht wie Perlen auf der Schnur, bis zum Hauptplatz bei der Kirche. Kurz gesagt, ein Ort genau so wie Aerösköbing.

Aerösköbing, das Hauptstädtchen der beschaulichen Insel Aerö ganz im Süden Dänemarks, ist allerdings weniger ein Ort, wo Liebe aufkeimt oder entflammt – wohl aber, wo sie amtlich besiegelt wird. Und das an manchen Tagen im Zehnminutentakt. In Aerösköbing nämlich wird geheiratet, was das Zeug hält. Mit über dreitausend Eheschliessungen pro Jahr ist es die Hochzeits-Kapitale Dänemarks.

Hochzeiten am Laufmeter

Davon können etwa Tina Eriksen oder Joan Lykke Ammersböll berichten. Die zwei Frauen sind Teil eines Teams mit einem halben Dutzend Standesbeamten in einer Gemeinde mit gerade einmal sechstausend Einwohnern. Tina Eriksen hat an diesem sonnigen Spätsommertag eben vier Arbeitsstunden mit knapp zwanzig Zeremonien im speziellen Heirats-Trakt im Komplex der Gemeindeverwaltung hinter sich. Joan Lykke Ammersböll hingegen ist vom «Aussendienst» aufs Gemeindeamt zurückgekehrt – sie verheiratete Paare, die sich über eine der Agenturen, die auf Aerö tätig sind, an einem speziellen Ort trauen liessen. Etwa oben auf dem Leuchtturm, am Strand oder im noblen Salon im ersten Stock des historischen Kaufmannshauses am Hauptplatz.

Ehen können in Dänemark auch von Ausländern mit sehr wenig bürokratischem Aufwand geschlossen werden, im Gegensatz etwa zum benachbarten Deutschland.

Im Parterre dieses stattlichen Gebäudes nimmt der Engländer John Moloney vor dem Büro der Agentur Danish Island Weddings gerade zwei Kisten Champagner entgegen, während seine dänische Frau Louise vorbeieilt, um ein neu angekommenes Hochzeitspaar zu empfangen. Ihr ist es vor allem zuzuschreiben, dass Aerö sich von einem Ort, der als Pensionärs-Sommerfrische vor sich hin dämmerte, in eine dänische Liebesinsel verwandelt hat. Vor acht Jahren hatte sie die Idee einer Hochzeits-Agentur, und der Businessplan war denkbar einfach: Ehen können in Dänemark auch von Ausländern mit sehr wenig bürokratischem Aufwand geschlossen werden, im Gegensatz etwa zum benachbarten Deutschland. Von Deutschland aus gut erreichbar, weil praktisch direkt an der Grenze, könnte man Aerö zum Heirats-Mekka aller machen, die in ihren Ländern mit dem Amtsschimmel kämpften, dachten sich die Moloneys.

Es funktioniert hervorragend. Kunden sind zahlreiche Paare, wo mindestens ein Partner von ausserhalb der EU stammt, ebenso aber auch mit beiden Partnern aus EU-Ländern, wo inkongruente bürokratische Anforderungen bestehen. Oder Expats mit Wohnsitz in einem Drittland, was die Sache gleich ein paar Grade komplizierter macht. Ferner gleichgeschlechtliche Paare, denen in Dänemark aufgeschlossen begegnet wird, während sie in anderen Ländern mit Vorurteilen, gesetzlichen Hindernissen oder auch beidem zu kämpfen haben.